
Dieser Bericht ist für Biker gedacht, die
einmal die Sitzbank mit dem Sattel tauschen
wollen.
- Typus Equui(ja, ja, diese Lateiner)
Bei der Wahl Ihres Untersatzes brauchen
Sie
nicht auf die vordringliche Nutzung achten.
Eine Unterscheidung in Gelände-, Tourer-,
Sport- oder Chopperpferd entfällt gänzlich.
Lediglich Low Rider sollten auf Ponys oder
Fohlen bestehen und Rat Biker auf besonders
ungeplegte Tiere.
- Zusatz-Ausstattung
Sinnvolles Zubehör wie Öldruckmesser, Griffheizung
oder Koffer werden Sie nur in seltensten
Fällen vorfinden und sind vergleichsweise
teuer, da der Einbau nur von Veterinären
vorgenommen werden kann. Denkbar einfach
hingegen gestaltet sich die Bedienung der
höhenverstellbaren Fußrasten. Der nachträglich
Anbau von leistungssteigernden Endtöpfen
ist nicht möglich, einige Versuche mit
Chili
con carne zeigten aber vergleichbare Resultate
in Leistung und Standgeräusch(bei Reiter
und Pferd)
- Technische Daten
Motor : 1 PS luftgekühlt mit einfach oben
liegendem Rückgrat und in sich geschlossener
Schmierung
Fahrwerk : 4 einzeln aufgehängte, unabhängig
steuerbare Reifen mit ABS und ESP auf einem
Innenrohrrahmen
Maße : immer zu groß
Gewicht : mit ca 650 kg ist eine deutliche
Diskrepanz im Leistung/kg Verhältnis zu
erwarten
Antrieb : 3-Gang Automatik
VMax : ca. 55 km/h (mit Chili etwas mehr)
Tankinhalt : variabel
Reichweite : von einem Orthopäden bis zum
Nächsten
Bereifung : selbsterneuernde Hornplatten
bzw. Thyssen Krupp ST34 Cross Extra Grip
(Getestetes Modell)
- Fahrbericht
Die erste Überraschung erlebe ich, als
ich
versuche einen Haupt- oder Seitenständer
zu finden. Einfach hingenommen war ich
sogleich
von der erstaunliche Sitzhöhe fasziniert
was das Fehlen der Ständer mehr als wettmacht.
Danach gerät die Bikerwelt jedoch heftig
ins Schwanken. Zum einen braucht ein Pferd
nicht gestartet werden, was auch die vergebliche
Suche nach dem Lenkradschloß in einem völlig
neuem Licht erscheinen läßt, zum anderen
verfügt man über keinerlei Informationen
wie Geschwindigkeit, Drehzahl oder Kilometerzähler.
Als Minimalist stört mich dies jedoch weit
weniger als die Reaktion, als ich einmal
kräftig am Gas drehe. Da dieses weit am
vorderen
Ende des Pferdes angebracht ist vermutet
man eine raketenmäßige Beschleunigung,
erzeugt
dabei aber lediglich ein Aufheulen des
Motors
bei gleichzeitiger starker Rechtsdrehung
des Pferdes. Dem anwesenden Werksleiter
sind
diesbezüglich nur ein unverständliches
"Tierquäler",
"Vollidiot" und "Ohr"
als Aussage zu entlocken.
Schutzkleidung und Helm sei Dank sitzte
ich
nach wenigen Minuten unverletzt, jedoch mit
gesunden Mißtrauen ausgestattet, wieder auf
meinem Untersatz. Ein Blick ins Handbuch
verrät uns die raffinierte Steuerung (bei
der ich allerding immer das Gefühl habe,
mit Absicht in die Hinterradfelge zu treten).
Nach behutsamer Beschleunigung geht die Fahrt
im ersten Gang los und es zeigen sich bereits
hier eklatante Fahrwerksschwächen. Als würde
man von Berlin nach Hamburg mit einem Fahrrad
auf der ICE-Trasse fahren, wird die Reise
von heftigem Buckeln und seitlichem Rutschen
auf der Sitzbank begleitet.
Ab ca. 7 km/h schaltet Pferd dann automatisch
in den zweiten Gang, welches von heftigen
Lastwechselreaktionen begleitet wird. Ab
diesem Zeitpunkt stelle ich bereits Vermutungen
über schlechtes Kaltstartverhalten oder falsches
Vergasermanagement an, denn die Reise wird
doch leicht bockig. Die Steuerung über 2
Lenkdrähte vermittelt den Eindruck einer
mangelhaften Verarbeitung, da sie, wenn überhaupt,
nur langsam anspricht und dabei sehr schwammig
wirkt. Das in die Kurve drücken zeigt gar
keine Wirkung !?! Nach mittlerweile rasanter
Fahrt wechselt mein Untersatz wiederum von
starken Lastwechseln begleitet in den dritten
Gang. Die offensichtlich fehlenden Ausgleichmassen
im Antrieb vermitteln ein sehr unruhiges
Gefühl und insgeheim wünsche ich mir eine
etwas weichere Sitzbank. Der Ansatz eines
Hanging Off führt interessanter Weise zum
Einlenken in die andere Richtung wobei dies
nur theoretischen Charakter hat, da die Boden-
und Schräglagenfreiheit für die ausgelegte
Höchstgeschwindigkeit absolut ausreichend
sind.
Wirklich erstaunt hat mich die dann eingeleitete
Vollbremsung, da Pferd ein starkes Aufstellmoment
bei gleichzeitiger Entlastung der vorderen
Federelement zeigt, die hinteren Federbein
aber bis zum Umlenkhebelanschlag einfedern.
Sollten hier Fehler in der Fahrwerksgeometrie
vorliegen ? Zumindest hat das anschließende
Wheelie sofort geklappt, wenn auch keine
Geschwindigkeitszunahme zu bemerken war.
Man kann halt nicht alles haben.
Aufgrund der quasi funktionslosen Handbremse,
ebenfalls weite vorne angebracht, war leider
kein Burnout möglich, der vermutlich wegen
des serienmäßigen ESP eh' nicht geklappt
hätte. Schade.
Nachdem ich mich davon überzeugt hatte,
daß
die Tankfuntion während der Fahrt ausführbar
ist (allerdings nur im ersten Gang) erfreute
noch eine Kleinigkeit meine etwas negatives
Empfinden. Die raffinierte Auspuffanlage
ist in der Lage, Ölklumpen aus Motor und
Getriebe zu filtern, und als Paket auszustossen.
Ob man damit bei der ASU durchkommt, wage
ich aber zu bezweifeln.
Desweitern gibt es ein (pneumatisch ausfahrbares
?, auf jeden Fall geräuschloses) Ventil,
um Wasserrückstande aus Tank und Vergaser
abzuscheiden. Pfiffige Idee. Allerdings ist
die Anbringung sehr unglücklich gewählt,
da es direkt vor die hinteren Räder geleitet
wird. Vielleicht ein Ansatz für Modellpflege
?
- Punkte
Komfort : 0 von 5
Soziustauglichkeit : 0 von 5
Sportlichkeit : 0 von 5
Fahrwerk : 0 von 5
Alltagstauglichkeit : 0 von 5
Anschaffungspreis : 0 von 5
Verarbeitung : 0 von 5
Kaltstartverhalten : 0 von 5
Geländetauglichkeit : 5 von 5
Verbrauch : 5 von 5
- Fazit
Pferd schneidet sehr schlecht ab. Aber Aufgrund
der vollen Punktzahl beim Verbrauch und Geländetauglichkeit
schlägt sie knapp die Harley Davidson Sportster,
die damit die rote Lampe weiterhin behält.
;-)