Dieser Bericht ist für Biker gedacht, die einmal die Sitzbank mit dem Sattel tauschen wollen.

  1. Typus Equui(ja, ja, diese Lateiner)
    Bei der Wahl Ihres Untersatzes brauchen Sie nicht auf die vordringliche Nutzung achten. Eine Unterscheidung in Gelände-, Tourer-, Sport- oder Chopperpferd entfällt gänzlich. Lediglich Low Rider sollten auf Ponys oder Fohlen bestehen und Rat Biker auf besonders ungeplegte Tiere.
  2. Zusatz-Ausstattung
    Sinnvolles Zubehör wie Öldruckmesser, Griffheizung oder Koffer werden Sie nur in seltensten Fällen vorfinden und sind vergleichsweise teuer, da der Einbau nur von Veterinären vorgenommen werden kann. Denkbar einfach hingegen gestaltet sich die Bedienung der höhenverstellbaren Fußrasten. Der nachträglich Anbau von leistungssteigernden Endtöpfen ist nicht möglich, einige Versuche mit Chili con carne zeigten aber vergleichbare Resultate in Leistung und Standgeräusch(bei Reiter und Pferd)
  3. Technische Daten
    Motor : 1 PS luftgekühlt mit einfach oben liegendem Rückgrat und in sich geschlossener Schmierung
    Fahrwerk : 4 einzeln aufgehängte, unabhängig steuerbare Reifen mit ABS und ESP auf einem Innenrohrrahmen
    Maße : immer zu groß
    Gewicht : mit ca 650 kg ist eine deutliche Diskrepanz im Leistung/kg Verhältnis zu erwarten
    Antrieb : 3-Gang Automatik
    VMax : ca. 55 km/h (mit Chili etwas mehr)
    Tankinhalt : variabel
    Reichweite : von einem Orthopäden bis zum Nächsten
    Bereifung : selbsterneuernde Hornplatten bzw. Thyssen Krupp ST34 Cross Extra Grip (Getestetes Modell)
  4. Fahrbericht
    Die erste Überraschung erlebe ich, als ich versuche einen Haupt- oder Seitenständer zu finden. Einfach hingenommen war ich sogleich von der erstaunliche Sitzhöhe fasziniert was das Fehlen der Ständer mehr als wettmacht. Danach gerät die Bikerwelt jedoch heftig ins Schwanken. Zum einen braucht ein Pferd nicht gestartet werden, was auch die vergebliche Suche nach dem Lenkradschloß in einem völlig neuem Licht erscheinen läßt, zum anderen verfügt man über keinerlei Informationen wie Geschwindigkeit, Drehzahl oder Kilometerzähler. Als Minimalist stört mich dies jedoch weit weniger als die Reaktion, als ich einmal kräftig am Gas drehe. Da dieses weit am vorderen Ende des Pferdes angebracht ist vermutet man eine raketenmäßige Beschleunigung, erzeugt dabei aber lediglich ein Aufheulen des Motors bei gleichzeitiger starker Rechtsdrehung des Pferdes. Dem anwesenden Werksleiter sind diesbezüglich nur ein unverständliches "Tierquäler", "Vollidiot" und "Ohr" als Aussage zu entlocken.
    Schutzkleidung und Helm sei Dank sitzte ich nach wenigen Minuten unverletzt, jedoch mit gesunden Mißtrauen ausgestattet, wieder auf meinem Untersatz. Ein Blick ins Handbuch verrät uns die raffinierte Steuerung (bei der ich allerding immer das Gefühl habe, mit Absicht in die Hinterradfelge zu treten). Nach behutsamer Beschleunigung geht die Fahrt im ersten Gang los und es zeigen sich bereits hier eklatante Fahrwerksschwächen. Als würde man von Berlin nach Hamburg mit einem Fahrrad auf der ICE-Trasse fahren, wird die Reise von heftigem Buckeln und seitlichem Rutschen auf der Sitzbank begleitet.
    Ab ca. 7 km/h schaltet Pferd dann automatisch in den zweiten Gang, welches von heftigen Lastwechselreaktionen begleitet wird. Ab diesem Zeitpunkt stelle ich bereits Vermutungen über schlechtes Kaltstartverhalten oder falsches Vergasermanagement an, denn die Reise wird doch leicht bockig. Die Steuerung über 2 Lenkdrähte vermittelt den Eindruck einer mangelhaften Verarbeitung, da sie, wenn überhaupt, nur langsam anspricht und dabei sehr schwammig wirkt. Das in die Kurve drücken zeigt gar keine Wirkung !?! Nach mittlerweile rasanter Fahrt wechselt mein Untersatz wiederum von starken Lastwechseln begleitet in den dritten Gang. Die offensichtlich fehlenden Ausgleichmassen im Antrieb vermitteln ein sehr unruhiges Gefühl und insgeheim wünsche ich mir eine etwas weichere Sitzbank. Der Ansatz eines Hanging Off führt interessanter Weise zum Einlenken in die andere Richtung wobei dies nur theoretischen Charakter hat, da die Boden- und Schräglagenfreiheit für die ausgelegte Höchstgeschwindigkeit absolut ausreichend sind.
    Wirklich erstaunt hat mich die dann eingeleitete Vollbremsung, da Pferd ein starkes Aufstellmoment bei gleichzeitiger Entlastung der vorderen Federelement zeigt, die hinteren Federbein aber bis zum Umlenkhebelanschlag einfedern. Sollten hier Fehler in der Fahrwerksgeometrie vorliegen ? Zumindest hat das anschließende Wheelie sofort geklappt, wenn auch keine Geschwindigkeitszunahme zu bemerken war. Man kann halt nicht alles haben.
    Aufgrund der quasi funktionslosen Handbremse, ebenfalls weite vorne angebracht, war leider kein Burnout möglich, der vermutlich wegen des serienmäßigen ESP eh' nicht geklappt hätte. Schade.
    Nachdem ich mich davon überzeugt hatte, daß die Tankfuntion während der Fahrt ausführbar ist (allerdings nur im ersten Gang) erfreute noch eine Kleinigkeit meine etwas negatives Empfinden. Die raffinierte Auspuffanlage ist in der Lage, Ölklumpen aus Motor und Getriebe zu filtern, und als Paket auszustossen. Ob man damit bei der ASU durchkommt, wage ich aber zu bezweifeln.
    Desweitern gibt es ein (pneumatisch ausfahrbares ?, auf jeden Fall geräuschloses) Ventil, um Wasserrückstande aus Tank und Vergaser abzuscheiden. Pfiffige Idee. Allerdings ist die Anbringung sehr unglücklich gewählt, da es direkt vor die hinteren Räder geleitet wird. Vielleicht ein Ansatz für Modellpflege ?
  5. Punkte
    Komfort : 0 von 5
    Soziustauglichkeit : 0 von 5
    Sportlichkeit : 0 von 5
    Fahrwerk : 0 von 5
    Alltagstauglichkeit : 0 von 5
    Anschaffungspreis : 0 von 5
    Verarbeitung : 0 von 5
    Kaltstartverhalten : 0 von 5
    Geländetauglichkeit : 5 von 5
    Verbrauch : 5 von 5
  6. Fazit
    Pferd schneidet sehr schlecht ab. Aber Aufgrund der vollen Punktzahl beim Verbrauch und Geländetauglichkeit schlägt sie knapp die Harley Davidson Sportster, die damit die rote Lampe weiterhin behält. ;-)